B&G 2026, Fachzeitschrift

2026 | 01 Festhalten in der Bewegungstherapie

Wissenschaft

Bouldertherapie verbessert sportliche Leistung und Fitnessmerkmale bei Jugendlichen mit Skoliose – Teilergebnisse einer 12-Monats-RCT – Silas Dech, Rene Kittel, Tom Hellriegel

Kletter- und Boulderinterventionen in Prävention und Rehabilitation – eine systematische Übersichtsarbeit zur Reporting-Qualität – Stefan Peters, Elena Glöckler, Andrea Schaller

Boulderpsychotherapie gegen Depressionen: Erstmalige Analyse physiologischer Effekte – Anne Radegast, Katharina Luttenberger, Johannes Kornhuber, Leona Kind

Praxis

Muskelinstabilität – eine neue Perspektive auf die Pathogenese von Muskel-Skelett-Beschwerden und Non-Kontakt-Verletzungen: Forschungsstand und Praxisrelevanz – Laura V. Schaefer, Frank N. Bittmann

Rumpfkräftigung an einer Kletterwand – Übungsgestaltung und methodische Reihe – Marina Müller, Alexandra Blüml, Nicole Baltensperger

Therapeutisches Klettern für Menschen mit Multipler Sklerose – Entwicklung eines Trainingstagebuchs – Claudia Kern, Anna Huber

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

ich wünsche Ihnen ein bewegungsreiches 2026 mit dem Gedankenanstoß an Bewährtem festzuhalten und anderes loszulassen.

Um weiterzukommen, ist das Festhalten und Loslassen auch beim Klettern entscheidend. Diese Bewegungsform steht hoch im Kurs – vom Breitensport bis hin zu den Olympischen und demnächst sogar Paralympischen Spielen. Doch auch bewegungstherapeutische Maßnahme gewinnt das Klettern zunehmend an Bedeutung. Dies zeigt sich bereits, wenn man auf das letzte Jahr zurückblickt:

Ein neues Sammelwerk beleuchtet vielfältige Einsatzbereiche des Therapeutischen Kletterns bei somatischen und psychischen Erkrankungen bzw. Beschwerden.

Es fand eine Fachtagung zum Thema statt mit nationalen, internationalen und sogar überkontinentalen wissenschaftlichen Beiträgen. Zudem gab es zahlreichen Praxisworkshops am Kunst- und Naturfelsen.

Parallel wurde der bundesländerübergreifende Fachverband für Therapeutisches Klettern e.V. (kurz „FAKT!“) gegründet. Über vier Hauptsektoren aus Therapie/Medizin, Wissenschaft, Bildung und Inklusion soll nun das Therapieklettern gezielt gefördert und möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht werden.

Was Praktiker bei Anwendung dieser besonderen Therapieform erfahren, wird nun auch zunehmend wissenschaftlich erforscht.

In diesem Heft thematisiert eine Übersichtsarbeit die Berichtsqualität von 40 Interventionsstudien aus Therapie und Prävention. Zwei randomisiert-kontrollierte Studien präsentieren die Sekundäreffekte einer Bouldertherapie bei Skoliose bzw. Depression.

Der Praxisbeitrag vom Schweizer Fachverband für Therapeutisches Klettern setzt evidenz- und erfahrungsbasierte Übungen in Wort und Bild.

Die Vorstellung eines Klettertagebuchs im Rahmen der MS-Seilklettertherapie gibt praktische Empfehlungen zur Dokumentation, um den Therapieprozess zu unterstützen.

Abgerundet wird das Heft mit einem Betrag über die Bedeutung des Festhaltens von Muskeln sowie dem Risiko, wenn sie im falschen Moment loslassen – der funktionell bedingten Muskelinstabilität. Dem Klettern mit seiner hohen Anforderung an die Haltemuskulatur und biopsychosozialen Wirkweise wird dabei ein therapeutisches Potential zugesprochen.

Stabile Haltemuskeln beim Lesen wünscht,
Dr. Silas Dech (Gasteditor, 1. Vorsitzender des Fachverbands für Therapeutisches Klettern – FAKT!)