DVGS Aktuell, Gesundheit Aktuell

Bericht zum 35. Rehawissenschaftlichen Kolloquium

Die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund) und die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland veranstalteten in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften e. V. (DGRW) vom 24.–26. März das 35. Rehawissenschaftliche Kolloquium in Leipzig. Für den Deutschen Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie e. V. (DVGS) waren es drei begegnungsreiche und erkenntnisreiche Tage.

Dabei wurde deutlich: Sport- und Bewegungstherapie ist eines der tragenden Elemente in Rehabilitation und Rehanachsorge. Dies unterstrich bereits eine Übersicht zur Datenlage der DRV Bund aus 2018. Lukas Born (Interdisziplinäre Zusammenarbeit, Abteilung Prävention und Rehabilitation der DRV Bund) zeigte nun mit neuen Zahlen erneut auf, dass Bewegungstherapie indikationsübergreifend den größten Leistungsanteil in der Rehabilitation ausmacht.

Eine Herausforderung liegt in der Nachhaltigkeit. Der Übergang von der Reha in die Nachsorge und in anschließende qualitätsgesicherte Bewegungsangebote gelingt noch nicht ausreichend. Oft fehlt die Transparenz: Welche Angebote gibt es? Wo sind sie zu finden? Wir haben dazu ein Factsheet mit relevanten Online-Portalen entwickelt, um Rehabilitanden und Gesundheitsfachberufen mehr Orientierung zu geben (DVGS Infografik: Bewegungsangebote nach der Rehabilitation).

Der neue Praxisleitfaden Bewegungstherapie der DRV Bund beschreibt als zentrale Ziele die Bewegungsförderung sowie die Stärkung der bewegungsbezogenen Gesundheitskompetenz der Rehabilitanden. Für die Umsetzung sind spezifische Kompetenzen und Expertise seitens der Sport-/Bewegungstherapeuten erforderlich, die im DVGS-Modulhandbuch zur therapeutischen Zusatzqualifikation „Sport-/Bewegungstherapie“ klar verankert und definiert sind.

Ein weiterer wichtiger Baustein zur Stärkung von Nachhaltigkeit und evidenzbasiertem Vorgehen wurde vom DSS der FAU Erlangen-Nürnberg präsentiert. Das von der DRV Bund gefördert Projekt „Praxisempfehlungen für die Optimierung der Bewegungstherapie in der medizinischen Rehabilitation (PRO-BT)“ beschreibt evidenzbasierte Ansätze zur Bewegungsförderung in diesem Versorgungskontext. Wir haben diesen Prozess fachlich begleitet, unsere Expertise als Partner eingebracht, um neben der Qualifikation auch auf diesem Wege evidenzbasierte Ansätze in die Versorgung zu überführen.

Blick nach vorne
Besonders wertvoll war der abschließende Blick der Veranstaltung nach vorn: In „Wo stehen wir und what’s next?“ fasste Frau Dr. Weinbrenner der DRV zentrale Erkenntnisse und Perspektiven zusammen.

Klar wurde: Die Weiterentwicklung unseres Gesundheitssystems bleibt eine zentrale Aufgabe – insbesondere mit Blick auf die Qualität der Rehabilitation. Der Nutzen und der Wert der Rehabilitation müssen noch stärker sichtbar gemacht werden. Gleichzeitig gilt es, die Angebote weiterzuentwickeln, um eine bedarfsgerechte und nachhaltige Versorgung sicherzustellen. Ein entscheidender Ansatzpunkt dabei ist die stärkere Verzahnung von Prävention und Rehabilitation, die trägerübergreifend gedacht und gemeinsam – auch unter Nutzung digitaler Technologien – weiterentwickelt werden muss.

Darüber hinaus wurden zentrale Zukunftsthemen deutlich, die sowohl für die Rehabilitation insgesamt als auch für die Arbeit des DVGS richtungsweisend sind:

  • Digitalisierung & Digitale Gesundheitskompetenz:
    Digitale Anwendungen gewinnen in der Rehabilitation zunehmend an Bedeutung – sei es in der Diagnostik, der Therapiebegleitung oder der Nachsorge. Damit verbunden sind neue Anforderungen an Kompetenzen im Umgang mit digitalen Tools und Daten. Der DVGS greift diese Entwicklungen aktiv auf, indem er digitale Versorgungsformen fachlich einordnet, deren evidenzbasierte Implementierung unterstützt und die Qualifizierung von Fachkräften für diese neuen Versorgungsrealitäten gestaltet (vgl. Streber et al., 2025)
  • Evidenzbasierte Praxis:
    Die Rehabilitation sowie eine moderne Bewegungstherapie basiert auf der konsequenten Nutzung aktueller wissenschaftlicher Studienlagen sowie der routinemäßigen Anwendung standardisierter Assessments. Ziel ist es, Therapieentscheidungen nachvollziehbar, wirksam und qualitätsgesichert zu gestalten. Der DVGS gestaltet diese Entwicklung durch die Verankerung evidenzbasierter Inhalte in der Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie durch die Beteiligung an Forschungsprojekten und aktive Vertretung der Evidenz zur Sport-/Bewegungstherapie in Leitlinien.
  • Rahmenbedingungen & Anforderungen:
    Aktuelle und zukünftige Programme der medizinischen Rehabilitation (z. B. DigiFlex, T-RENA oder RV-Fit) verändern die Versorgungslandschaft und stellen neue Anforderungen an Einrichtungen und Fachkräfte. Orientierung im System sowie eine klare fachliche Positionierung gewinnen dabei zunehmend an Bedeutung.

Gleichzeitig wird deutlich, dass Sport-/Bewegungstherapie träger- und sektorübergreifend in der Gesundheitsversorgung verankert ist. Damit nimmt sie eine verbindende Rolle im Versorgungssystem ein und leistet einen zentralen Beitrag zur Kontinuität von Bewegungsförderung über Versorgungsgrenzen hinweg (vgl. Baldus et al., 2025) . Der DVGS gestaltet diese Entwicklungen aktiv mit: In verschiedenen Gremien bringen wir unsere Positionen zu einem modernen biopsychosozialen und evidenzbasierten Verständnis der Sport- und Bewegungstherapie ein und machen deren zentralen Mehrwert für eine wirksame und nachhaltige Rehabilitation deutlich.


Wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Rehabilitationswissenschaftliche Kolloqium am 📍 16.–18.03.2027 in Dortmund.

Dr. Rene Streber